Marion und Wilhelm Richter
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Momo's American Cocker

seit 1987

Die Zucht

Die Zucht der American Cocker Spaniels

Mit der Haltung einer Hündin, dem einen oder anderen Besuch auf einer Zuchtschau, kommt so mancher auf den Gedanken, es auch einmal selbst mit dem Züchten zu versuchen, meint damit aber nur, dass er einen Wurf machen möchte. Denn als „Züchten“ kann man dies sicher - noch - nicht bezeichnen.

Vorüberlegungen

Züchten bedeutet, dass man sich intensiv mit der jeweiligen Rasse beschäftigen muss und immer bemüht ist, die Rasse zu verbessern, zumindest aber einen hochgesteckten Rassestandard zu bewahren. Dies erfordert viele Kenntnisse verschiedenster Art. Beispielsweise in der Genetik muss man sich auskennen, einiges - besser noch sehr viel - über Welpenaufzucht wissen, medizinische Kenntnisse haben und viel von der Rasse verstehen.

Es gibt immer wieder „Züchter“, die sich eine Hündin kaufen, einen Rüden für den Deckakt aussuchen und eine Paarung vornehmen. Manchmal verläuft die Trächtigkeit der Hündin problemlos, und die Welpen kommen ohne Komplikationen auf die Welt. Weil die Mutter sehr instinktsicher ist, nimmt sie die Abnabelung selbst vor, alle Nachgeburten sind da, und die Neugeborenen sind allesamt proper. Anschließend hat die Hündin genügend Milch für alle Welpen, und es ist ein Vergnügen, die kleine Schar wachsen und gedeihen zu sehen.

Das alles kommt auch beim unerfahrenen Züchter vor, aber es ist leider nicht die Regel. Und wenn irgend etwas nicht so recht klappt, ist der Neuling am Ende seines Lateins. Wenn er nicht spätestens dann jemanden mit Erfahrung fragt, hat entweder die Hündin oder ihr Nachwuchs darunter zu leiden.

Die ersten acht Wochen der Welpen sind von entscheidender Bedeutung für die spätere Gesundheit der Hunde. Am Ende der Säugephase, also etwa ab der dritten Lebenswoche, wird die Mutterhündin allmählich abgestillt. Dann beginnt der Züchter damit, den Welpen Breifutter anzubieten und sie auf feste Nahrung umzustellen.

In dieser Zeit muss besonders hochwertige und ausgewogene Nahrung angeboten werden. Was bis zur achten bis neunten Lebenswoche beim Züchter und danach bis zu einem gewissen Alter beim späteren Besitzer den Welpen an gehaltvoller Nahrung nicht gegeben wurde, lässt sich später niemals vollständig wieder wettmachen.

Deshalb würden wir dem „Hunde-Neuling“ von der Zucht eher abraten. Gespräche und Kontakte mit erfahrenen Züchtern, das Hineinwachsen in die Kynologie, eventuell bei einem befreundeten Züchter einen Wurf aufwachsen zu sehen und vor allem ein intensiver Austausch mit dem zuständigen Zuchtwart bringt den Neuling Stück für Stück zu Kenntnissen, die für das Züchten unerlässlich sind.

Formalitäten

Bevor Sie aber zu einem Rüden fahren können, müssen Sie bei einem VDH-Zuchtverein einen Zwingernamen schützen lassen, oder Sie können keine Ahnentafel für die erhofften Nachkommen mit dem begehrten VDH-Emblem bekommen. Es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass Sie in diesem Verein Mitglied sein müssen, aber doch allemal besser. Einerseits sind die Eintragungsgebühren für Nichtmitglieder deutlich höher, und andererseits können Sie auch viel leichter von den Erfahrungen der anderen Züchter und des Zuchtwarts profitieren.

Mit Ihrer Mitgliedschaft haben Sie auch die Zuchtbestimmungen des jeweiligen Vereins erhalten, und die müssen Sie ganz genau einhalten. Insbesondere muss die Hündin vor der ersten Paarung auf Hüftgelenksdysplasie (HD) untersucht worden sein und das Ergebnis eine Zucht erlauben. Darüber hinaus ist vorher mindestens eine Zuchtschau zu besuchen, um entweder einen zuchtzulassenden Formwert oder, wie im Jagdspaniel-Klub, eine Zuchttauglichkeitsbescheinigung zu erhalten.

Rüdenauswahl

Wenn es soweit ist und eine erste Paarung ansteht, so lassen Sie sich unbedingt beraten, welcher Rüde für Ihre Hündin in Frage kommt.

Denn wie schon vorher gesagt, geht es ja mindestens um die Bewahrung der vorhandenen guten genetischen Basis.

Nicht jeder Rüde passt zu jeder Hündin. Und oft kann man bei der Hündin vorhandene Gene durch die richtige Rüdenauswahl festigen.

Der „Erstzüchter“ sollte eine zu enge Verwandtschaftsverbindung des Zuchtpaars aber unbedingt vermeiden.

Es ist zwar richtig, dass sich gerade bei Inzucht- oder Inzestzuchtpaarungen Erbanlagen besonders deutlich verfestigen lassen. Aber gerade das ist auch die Gefahr, denn dabei können unerwünschte Eigenschaften besonders hervortreten.

Läufigkeit

Wenn Ihre Hündin in die Hitze kommt (denn nur in dieser Zeit kann sie belegt werden), wird etwa in der Zeit zwischen dem 9. und 13. Tag der Hitze der Eisprung erfolgen, und nur dann kann eine Paarung erfolgreich sein.

Manche Hündinnen nehmen aber bereits am fünften oder sechsten Tag der Hitze auf, andere wiederum erst am 15. Tag.

Beim ersten Mal wird Ihnen nur der Tierarzt dadurch einen Anhaltspunkt geben können, dass er anhand eines Scheidenabstriches überprüft, wie sich die Läufigkeit entwickelt und ob aufgrund der Blutungssituation der Eisprung in den nächsten Tagen oder den nächsten Stunden erfolgen wird.

Darüber hinaus gibt es auch eine recht zuverlässige Testmethode auf hormoneller Basis, die es Ihnen ermöglicht, die Aufnahmebereitschaft der Hündin ziemlich auf „den Punkt“ festzustellen. Zwei oder drei Kurzbesuche beim Tierarzt werden bei diesem Verfahren dafür aber nötig sein.

Paarung

Zum Zeitpunkt der größten Aufnahmebereitschaft fahren Sie dann mit Ihrer Hündin zu dem ausgesuchten Rüden, mit dessen Besitzer Sie sich vorher über den Decktermin abgestimmt haben. In der Regel wird die Hündin - denn auf die Stunde lässt sich die beste Aufnahmebereitschaft in der Regel nicht vorhersagen- zweimal gedeckt, meistens im Abstand von zwei Tagen (weil die Spermien des Rüden nach neuesten Erkenntnissen bis zu 48 Stunden nach dem Deckakt noch lebensfähig sind). Denken Sie auch daran, dass Sie unmittelbar nach dem Deckakt nicht gleich nach Hause fahren können, weil die Hündin danach unbedingt ein bis zwei Stunden Ruhe braucht.

Trächtigkeit

Wenn Ihre Hündin „aufgenommen“ hat, wird sie sich innerhalb der nächsten Wochen etwas im Wesen verändern, in sehr vielen Fällen nach zwei bis drei Wochen einen klaren und schleimigen Ausfluss aus der Scheide haben. Dies ist ein ziemlich zuverlässiges Zeichen einer Trächtigkeit, gibt aber noch keine letzte Sicherheit.

Die Föten können aus verschiedenen Gründen bis etwa zum 30. Trächtigkeitstag vom mütterlichen Organismus aufgelöst, „resorbiert“ werden. Wenn Sie meinen, unbedingt jetzt schon wissen zu müssen, ob Ihre Hündin trächtig ist, können Sie nach dem 30. Tag Ihren Tierarzt aufsuchen. Meist kann er mit einer Ultraschalluntersuchung - die für die Hündin und die Föten ungefährlich ist -feststellen, ob eine Trächtigkeit vorliegt.

Viele Tierärzte werden auch noch nach den Ampullen (Föten) tasten, die sich in den beiden Gebärmutterhörnern eingenistet haben. Dieses „Palpieren“ ist aber nur etwas für den Fachmann. Der ungeübte Züchter sollte davon die Finger lassen, denn in aller Regel wird er entweder Schäden verursachen oder ein Darmteil oder Organ für einen Welpen halten.

Die Welpen sind in den beiden Gebärmutterhörnern der Hündin gut geschützt. Sie dürfen deshalb jetzt nicht auf die Idee kommen, die täglichen Spaziergänge einzuschränken oder gar einzustellen. Ihre Hündin braucht Bewegung und frische Luft, auch und gerade jetzt. Lediglich besondere Strapazen sollten Sie ihr ersparen.

Die Ernährung halten Sie bitte in der ersten Hälfte der Trächtigkeit so, dass nur eine ganz allmähliche Gewichtszunahme zu verzeichnen ist. Bitte füttern Sie die Hündin jetzt nicht dick, denn das schadet mehr, als es nützt. Da die Welpen vom mütterlichen Organismus ernährt werden, ist hochwertige Nahrung notwendig.

Sie können eine richtig ernährte Mutterhündin wenige Wochen nach der Geburt ihrer Welpen in einem Fitnesszustand haben, der Ihnen den Besuch einer Zuchtschau ermöglichen würde, Sie können die Hündin aber auch zu einem saft- und kraftlosen Klappergestell machen.

Erst in der zweiten Hälfte der Tragezeit ist eine deutliche Erhöhung der Futterration um etwa ein Drittel angezeigt. Und im letzten Viertel können Sie auch jeden Tag eine Schale

Ein Beispiel für den Verlauf der Körpertemperatur während der letzten zehn Tage der Trächtigkeit. Charakteristisch ist der Temperaturabfall am 61. Trächtigkeitstag zwischen 12.00 und 16.00 Uhr. die Geburt fand am nächsten Morgen statt. (Der Temperaturabfall am 57. Tag zeigt Senkwehen an.)

Milch (evtl. industriell hergestellte Welpenmilch) füttern.

Sie werden selbst feststellen, dass die zunehmend stärkere Rundung der werdenden Mutter das übliche einmalige Füttern am Tag nicht mehr zulässt. Sie müssen die Nahrungsmenge dann auf zwei, notfalls sogar auf drei Mahlzeiten verteilen.

Die Trächtigkeit dauert in der Regel rund 63 Tage. Gerechnet wird dabei vom ersten Decktag. Da wir es aber mit Lebewesen zu tun haben, kann die Zeitspanne bis zur Geburt kürzer oder länger sein. Bei einer großen Welpenzahl kann der Wurf auch ein paar Tage früher erfolgen, bei einer kleinen Zahl deutlich später sein.

Da weder Sie noch die Hündin genau vorhersagen können, wann definitiv der Wurftermin ist, sollten Sie es sich in den letzten zehn Tagen der Trächtigkeit zur Regel machen, alle vier Stunden mit einem eingefetteten Fieberthermometer die Temperatur der Hündin im After zu messen. Die Normaltemperatur fällt 24 bis 36 Stunden vor der zu erwartenden Geburt deutlich (um annähernd 1 °C) ab.

Geburtsvorbereitungen

Erforderlich ist eine Wurfkiste, die nur für die Geburt und die spätere Aufzucht gebraucht wird. Diese Wurfkiste sollte in den Abmessungen so ausgelegt sein, dass die Hündin bequem ausgestreckt liegen kann und noch ausreichend Platz für die Welpen ist.

Darüber hinaus müssen Sie den. Aufstellort so wählen, dass Sie jeder zeit helfend eingreifen können und überall herankönnen. Vielfach wird empfohlen, etwa 10 bis 15 Zentimeter über dem Boden rundum noch ein etwa gleich breites Brett anzubringen, das den Welpen ermöglicht, dort sicher vor der sich niederlegenden Hündin zu sein. Manche unerfahrene Hündin hat sich auch schon einmal auf einen Welpen gelegt und ihn dabei erdrückt.

Wir selbst haben unsere Wurfkiste größer (1,20 m x 0,90 m) und ohne dieses Brett anfertigen lassen. Durch diese Größe hat die Hündin jederzeit die Möglichkeit, von den Welpen ungestört zu schlafen. Außerdem haben wir die Feststellung gemacht, dass die Welpen meistens gegenseitige Nähe suchen und, je nach Außentemperatur, auf einem Heizkissen liegen.

Was Sie noch brauchen, sind saubere Handtücher, eine scharfe (vorher sterilisierte) Schere, eine Tabelle, auf der Sie die Wurfdaten notieren können, eine Waage (möglichst auf jeweils 2 Gramm genau) und viel Ruhe. Aufgeregtheit und Hektik schaden während der Geburt der Hündin und führen leicht zu Geburtskomplikationen.

Geburt

Nachdem die Temperatur abgefallen ist, sollten Sie auf die ganz typischen Zeichen achten, die vor jeder Geburt auftreten: Die Hündin wird das Futter verweigern (bitte jetzt keinen Zwang ausüben) und allmählich den Darm entleeren. Kurz vor Beginn der Geburt beginnt sie zu scharren und will im Wechsel damit dauernd nach draußen, um noch einmal und noch einmal Wasser zu lassen.

Wenn die Geburt in der Nacht beginnt, lassen Sie Ihre Hündin in keinem Fall ohne Aufsicht (am besten an der Leine) nach draußen. Es könnte sonst leicht passieren, dass sie den ersten Welpen bereits im Freien verliert.

In den letzten Tagen vor der Geburt haben Senkwehen begonnen, die manchmal unbemerkt vor sich gehen und nur vom. aufmerksamen Besitzer beobachtet werden können. Dabei wird die Hündin vermehrt hecheln, und ein leichtes Zittern zieht sich wellenförmig über den ganzen Körper. Die Senkwehen dienen dazu, die Welpen langsam auf das Becken zu zu schieben und auf die Geburt vorzubereiten.

Bei Beginn der Presswehen wird der erste Welpe in den Geburtskanal geschoben und - je nach Konstitution der Hündin - nach zwei bis drei Wehen geboren. Dabei liegt die Hündin entweder auf der Seite, oder sie setzt sich hin, um besser pressen zu können. Lassen Sie Ihre Hündin gewähren, wenn sie sich ihre Geburtsstellung auswählt.

Sobald der erste Welpe austritt, müssen Sie sehen, ob die Hündin ihren Nachkommen ganz allein austreiben kann oder ob Ihre Hilfe nötig ist.

Wenn Sie mit anfassen müssen, bitte den Welpen mit einem sauberen Handtuch (damit können Sie besser fassen) ergreifen und den Kleinen leicht nach unten ziehen.

Danach müssen Sie feststellen, ob die Hündin die Eihülle selbst öffnet. Wenn Sie eingreifen müssen, dann bitte in folgender Weise: den Welpen mit dem Kopf nach unten halten und die Hülle vom Kopf aus aufreißen.

Viele Hündinnen beißen die Nabelschnur selbst durch, andere tun das nicht. Sie müssen gegebenenfalls die Nabelschnur zweimal abquetschen, einmal an der Nachgeburt und einmal am Welpen. Sic können aber auch einen Baumwollfaden nehmen und die Nabelschnur am Welpen abbinden. Danach wird mit der Schere abgeschnitten. Wenn Ihre Hündin die Welpen selbst abnabelt, achten Sie darauf, dass sie die Nabelschnur nicht zu nahe am Welpen abbeißt, damit es keine Verletzungen gibt.

Wenn die Hündin will, soll sie die Nachgeburt auffressen. Das mag Ihnen zwar unappetitlich vorkommen, fördert aber die weiteren Geburtsvorgänge, das Einschießen der ersten Milch und erleichtert auch die Geburt. Drei oder vier Nachgeburten reichen aber völlig aus. Alle weiteren Nachgeburten führen nur zu Durchfall, und das können Sie im Moment gar nicht gebrauchen.

Zählen Sie unbedingt die Nachgeburten; es müssen ebenso viele wie Welpen sein. In der Hündin verbliebene Nachgeburten führen zu schweren Komplikationen. Wenn eine Nachgeburt fehlt, unbedingt den Tierarzt rufen!

Nehmen Sie ein sauberes Handtuch und rubbeln Sie den Welpen gründlich trocken. Dabei müssen Sie ihn nach unten halten, damit eventuell im Mäulchen befindliches Fruchtwasser herauslaufen kann. Dann wird das Neugeborene gewogen und sein Gewicht, sein Geschlecht und eventuell die Farbe und der Zeitpunkt der Geburt notiert.

Damit haben Sie nach der gesamten Geburt ein Bild über den Ablauf und können jederzeit feststellen, wie leicht oder schwer Ihre Hündin geworfen hat. Außerdem können Sie anhand der Geburtsgewichte und Ihrer Notizen über die weitere Gewichtszunahme beurteilen, wie sich die einzelnen Welpen und der gesamte Wurf entwickeln. Dies ist auch wichtig, falls Sie doch einmal den Tierarzt konsultieren müssen.

Geburtskomplikationen

Ein Wurf ist keine Krankheit, sondern ein absolut natürlicher Vorgang. In den meisten Fällen werden Sie keinen Tierarzt benötigen. Trotzdem ist es gut, wenn Sie Ihren Tierarzt über den zu erwartenden Wurf informieren und sich versichert haben, dass er für den Notfall bereitsteht. Es kann immer einmal zu Komplikationen kommen, die niemand erwartet hat.

Von daher sollten auch alle Züchter darauf achten, dass möglichst nur solche Hündinnen in die Zucht genommen werden oder in der Zucht verbleiben, die mit dem Werfen und der Aufzucht ihrer Nachkommen keine Probleme haben.

Es kann sein, dass Ihre Hündin, besonders wenn sie viele Welpen hat, während der Geburt eine längere pause macht (bis zu zwei Stunden ist normal). Die Pause müssen Sie ihr auch gönnen, denn sie hat jetzt keine kleine Anstrengung zu bewältigen. Sie müssen aber auch darauf achten, dass die gesamte Geburt nicht ins Stocken kommt. Denn dann kann auch eine Wehenschwäche vorliegen, und da muss der Tierarzt benachrichtigt werden, um eine wehenfördernde Spritze zu geben.

Anders als beim Menschen spielt es bei den Hunden keine so große Rolle, ob die Welpen mit dem Kopf oder den Hinterläufen voran geboren werden. In beiden Fällen geht die Austreibung gleich gut vonstatten. Wenn allerdings eine Querlage (die Hündin presst, es tut sich aber nichts) auftritt, ist es höchst problematisch. Dann muss der Tierarzt eingreifen und notfalls noch einen Kaiserschnitt machen. Diese operative Geburtshilfe ist heute in der Regel unproblematisch.

Wenn die Geburt in der Nacht verläuft, hat allerdings nicht jeder Tierarzt seine komplette Mannschaft bei der Hand, und dann müssen Sie unter Umständen selbst mit zupacken:

Wenn die Hündin betäubt ist, muss jeder Handgriff „sitzen“, weil die - noch mit dem mütterlichen Kreislauf verbundenen Welpen das Narkosemittel indirekt auch bekommen. Der Tierarzt wird sich bemühen, die einzelnen Welpen schnell zu entbinden und sie dann an einen Helfer weiterreichen, der sie aus der Fruchthülle holt und abnabelt. Wenn die Praxishelfer nicht da sind, müssen Sie diese Arbeiten übernehmen. Ihre Hündin wird relativ schnell wieder aus der Narkose erwachen, kann ihre Mutterpflichten aber nicht sofort in vollem Umfang aufnehmen. Auch da müssen Sie ein bisschen Hilfestellung leisten.

Wichtig ist vor allem, dass die Welpen nach einer natürlichen Geburt oder tierärztlicher Geburtshilfe möglichst bald bei der Mutter angelegt werden. In den ersten beiden Tagen produziert die Hündin. die sogenannte Kolestralmilch mit allen Abwehrstoffen, über die ihr eigener Organismus verfügt. Damit erhalten die Welpen die mütterlichen Abwehrkräfte, die etwa bis zur vierten Lebenswoche reichen und ihnen Zeit für den Aufbau eines eigenen Abwehrmechanismus lassen.

Welpen, die aus den verschiedensten Gründen keine Kolestralmilch bekommen konnten, sollten durch den Tierarzt mit einem „Paraimmunitätsinducer“ so weit wie möglich geschützt werden. Diese Mittel veranlassen den Welpenorganismus dazu, verstärkt Abwehrkräfte aufzubauen. Ein Ersatz für die Kolestralmilch können sie aber in keinem Fall sein.

Es ist sicher empfehlenswert, die Geburt (besonders die erste) nicht allein durchzustehen. Sie werden feststellen, dass Sie gar nicht genug Hände haben, um alles zu tun, was im Moment jeweils notwendig ist. Vielleicht hilft Ihnen ja ein befreundeter und erfahrener Züchter und nimmt Ihnen damit das eine oder andere Problem ab.

Und wenn Sie nach der ersten Geburt denken, nun alles zu wissen, was es zu wissen gibt, werden Sie beim zweiten Wurf feststellen, dass alles wieder ganz anders verläuft. Auch nach zehn oder zwanzig Würfen werden Sie immer wieder mit neuen Dingen konfrontiert werden.

 
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